Fallbeispiele

Fall 1: Migräne

Eine 43 jährige Patientin berichtet, Sie hätte erst seit 5 Jahren Migräne. Genaueres Nachfragen ergibt einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Migräne und einem Skiunfall, bei dem sie sich den rechten Knöchel gebrochen hatte. Sie musste operiert werden und als Folge blieb eine große Narbe am Außenknöchel. Diese Narbe störte offensichtlich ausgerechnet den Meridian, der in den allermeisten Fällen für Migräne „zuständig“ ist - den Gallemeridian.
Die Herdtestung bestätigte meinen Verdacht. Erste Maßnahme zur Therapie:
Akupunkturnadeln jeweils im Punkt der Knöchelnarbe am Ohr und auch im Punkt der Galle, denn dieser Meridian war offensichtlich durch das Narbengeschehen so in Schwäche geraten, dass er einer Unterstützung bedurfte. Manchmal ist eine solche Schwäche des sogenannten Gallenfunktionskreises schon vorher da, z.B. familiär bedingt. Solche Patienten neigen zum Grübeln und dazu, sich Sorgen zu machen (und viele haben tatsächlich ein echtes Problem mit ihrer Gallenblase). Nach der ersten Behandlung war die Migräne bereits von 1x wöchentlich auf einmal alle 4 Wochen verändert, nach der 2. Behandlung kamen keine Migräneanfälle mehr, nur noch Kopfschmerzen (die wir oft als Vorform eines Migräneleidens sehen).
Nach 4 Behandlungen war der Narbenherd ausbehandelt und die Patientin hatte keine Migräne mehr. Nach einem halben Jahr riefen wir sie wieder an, um nachzufragen: Sie hatte nur noch in extremen Stresssituationen Kopfschmerzen. Sie meinte, sie könnte das immer gleich mit harmlosen Mitteln abfangen, Migräne sei keine mehr da und außerdem seien diese Kopfschmerzen ihre persönliche Warnlampe, wenn sie ihren Körper wieder einmal im Berufsstress überfordern wollte.

Die Herdsuche bei Migränepatienten fördert sehr oft Störungen des Gallenmeridians zutage, die manchmal durch Narben verursacht werden.

Gallenmeridian
Abb. 1: Gallenmeridian

Wird dieser Meridian durch eine Narbe blockiert, so kann dadurch in seinem oberhalb der Narbe gelegenen Anteil ein Energiemangel entstehen (Energiefluß von oben nach unten).
Vergleicht man die vom Migränepatienten als im Anfall schmerzhaft beschriebenen Kopfpartien, findet man in diesen Fällen eine erstaunliche Übereinstimmung mit dem Verlauf des Gallenmeridians im Kopfbereich.

Verlauf des Gallenmeridians im Kopfbereich
Abb. 2 Verlauf des Gallenmeridians im Kopfbereich

Die Schmerzen werden beschrieben an den Schläfen, als "Platte" auf dem Kopf, über den Ohren, am Ansatz der mittleren und seitlichen Nackenmuskulatur. Außerdem wird in den meisten Fällen ein starkes Druckgefühl hinter den Augen angegeben, oft schildern die Patienten sogar das Gefühl, als würden ihnen die Augen von hinten herausgedrückt (Verlauf des Gallenmeridians zum Auge, bzw. durch das Auge zum Gehirn).

Viele Migränepatienten wachen morgens gegen 2 Uhr mit ihren Schmerzen auf - betrachtet man die Zeiten, in denen die Meridiane aktiv sind auf der sogenannten Organuhr, so fällt auf, dass die Zeit des maximalen Energiedurchflusses für den Gallenmeridian zwischen ein und drei Uhr nachts liegt!

 
Organuhr
Abb. 3: Organuhr

Störherde im Bereich des Gallenmeridians können z. B. operativ versorgte Außenbandverletzungen, seitliche Unterbauchnarben, Narben nach Gewebeentnahmen aus der Brust und Narben nach Schultergelenksverletzungen sein. Jede Narbe im Meridianverlauf kann (aber muss nicht) stören! Aber auch andere Einflüsse wie z. B. Nahrungsmittelallergien können über eine Schwächung des Gallenmeridians zu Migräne führen, genauso können psychische Einflüsse hier gezielt störende Wirkung entfalten.

Fall 2: Gesichtsschmerz nach Schilddrüsenoperation

Eine 65jährige Patientin musste sich die Schilddrüse entfernen lassen. Sie berichtete anschließend, dass kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose ein quälender Schmerz im Bereich der linken Gesichtshälfte aufgetreten war. Sie zeigte mit der Hand den nachfolgend abgebildeten Bereich.

Narbe nach Entfernung der Schilddrüse
Abb. 4: Narbe nach Entfernung der Schilddrüse

Die Störherdsuche ergab einen kleinen störenden Bereich, dort wo die frische Strumanarbe den Magenmeridian schnitt. Die von der Patientin beschriebenen Schmerzen, die im Krankenhaus drei Tage angehalten und dann langsam abgeklungen waren, sind als Reizzustand des Magenmeridians zu verstehen (in diesem Fall - wie so oft bei Schmerzen - ein sogenannter Füllezustand, der Meridian war in seinem Abfluss nach unten blockiert).

Magenmeridian
Abb. 5: Magenmeridian

Fall 3: Schulterschmerzen nach Zahnarztbesuch

Ein anderer Patient ließ wegen einer Beherdung des wurzelbehandelten vierten Zahns im linken Oberkiefer (24) auf mein Anraten eine Entfernung der Wurzelspitze (Wurzelspitzenresektion) durchführen. Direkt nach diesem Eingriff wachte er morgens um etwa 6 Uhr mit stechenden Schmerzen in der rechten Schulter auf. Die Schmerzen hielten jeweils ein paar Stunden an und ließen im Laufe des Tages nach. Dies wiederholte sich nun täglich, bis der Patient wieder in meine Praxis kam.
Die Untersuchung der Schulter ergab einen untypischen Befund: Die aktive und passive Beweglichkeit war jeweils endgradig eingeschränkt, die übrigen isometrischen Funktionsprüfungen jedoch unauffällig, auch der lokale Tastbefund brachte keinen Hinweis auf eine Beteiligung der Sehnenansätze oder des Schultereckgelenks. Der Schmerzverlauf wurde seitlich bis in den seitlichen Ellenbogen ausstrahlend beschrieben - entsprechend des Verlaufes des Dickdarmmeridians.

Dickdarmmeridian
Abb. 6: Dickdarmmeridian

Es handelte sich offensichtlich um eine Reizung des Dickdarmmeridians, der vom Zeigefinger über Schulter, Hals und Wange zur Oberlippe zieht, dort kreuzt und neben dem gegenüberliegenden Nasenflügel endet (Herd lag links, Schmerzen rechts!). Der Endpunkt Di 20 liegt im Bereich der Wurzelspitzen von 23 und 24, an letzterem war der Eingriff erfolgt.
Die Betrachtung der Meridianuhr erklärt auch das frühmorgendliche Aufwachen mit Schulterschmerzen (siehe Abb. 3). Die Stärkung des Funktionskreises Dickdarm durch Akupunktur und die Nadelung des Zahn-Korrespondenzpunktes am Ohr ergab sofortige und anhaltende Beschwerdefreiheit.

Fall 4: Reizblase durch Frontzähne

In einem Kurs demonstrierte ich eine Kollegin, die sich wegen einer Reizblase als Patientin zur Verfügung gestellt hatte. Als verursachender Herd fand sich ein wurzelbehandelter Frontzahn. Ich erklärte gerade den übrigen Kursteilnehmern, dass man in diesem Zusammenhang häufig auch Nierenbeckenentzündungen in der Anamnese finden könnte, da hob die Kollegin auf der Liege die Hand und meinte, Nierenbeckenentzündungen habe sie auch schon ein paar Mal (!) gehabt. Wegen der Reizblase war bei ihr dann vor einigen Jahren eine Entfernung der Gebärmutter durchgeführt worden, ohne dass eine Besserung der Symptome eingetreten wäre. (Solche Narben können ihrerseits natürlich wieder zusätzliche Störwirkung annehmen).

Fall 5: Ausschlag durch Wurzelrest

Vor einigen Jahren kam eine etwa 60jährige Frau mit einem unklaren massiven Ausschlag und starken Schwellungen der Extremitäten in meine Sprechstunde. Die Symptomatik war innerhalb von Tagen aufgetreten. Die körperliche Untersuchung und die übliche laborchemische Diagnostik ergaben keine weiteren Auffälligkeiten.
Es bestand eine vollprothetische Versorgung des Oberkiefers - einziger Halt war ein wurzelbehandelter Zahnrest (rechter Schneidezahn), eigentlich nur noch ein Wurzelstumpf, in den ein metallischer Wurzelstift eingelassen war. Im Test war dieser das Hauptstörherd. Er wurde entfernt, die Ausschläge klangen ab.
Interessant war hier die Beziehung des Frontzahns zum Funktionskreis Niere-Urogenitalsystem: Auch die Schwellungen der Extremitäten verschwanden.